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Richard Wilhelm ArtikelRichard Wilhelm (* 10.05 1873 in Stuttgart; †2. März 1930 in Tübingen) war einer der bedeutendsten deutschsprachigen Sinologen .
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Nach dem frühen Tod seines Vaters (1882), »der als milder Schein über meinen Kindheitstagen steht«, übernahmen seine Mutter und Großmutter in Stuttgart die Erziehung.
Richard Wilhelm studierte in Tübingen evangelische Theologie, wurde in der Stiftskirche in Stuttgart ordiniert und nach einem Vikariat in Wimsheim kam er als Vikar nach Boll. Die dortige Begegnung mit Christoph Blumhardt , der sich in seinen späten Jahren aus der engen Bindung mit der evangelischen Kirche löste und zu sozialen Fragen und der Sozialdemokratie hingezogen fühlte, wurde für W. lebensbestimmend. Er verlobte sich 1899 mit C. Blumhardts Tochter Salome kurz vor seiner Ausreise nach China.
Als Missionar der Ostasienmission kam erins damalige deutsche Pachtgebiet Qingdao (Tsingtao) in der chinesischen Provinz Shandong. Dort lernte er zunächst Chinesisch und arbeitete als Pfarrer und Pädagoge. Unter anderem gründete er eine deutsch-chinesische Schule. Durch seine pädagogische Tätigkeit lernte er traditionell gebildete chinesische Gelehrte kennen, die sein Verständnis der chinesischen Kultur und Geschichte vertieften, vor allem aber sein Studium der Schriften des klassischen chinesischen Altertums unterstützten.
Während des Japanisch-Russischen Krieges 1904-05, dessen Auswirkungen auch in Qingdao zu spüren waren, führte er seine Arbeit weiter und trat dann 1907 mit seiner inzwischen fünfköpfigen Familie den ersten Heimaturlaub an.
Für seine Verdienste um die chinesische Erziehung verlieh ihm der Kaiser den »Rangknopf vierter Klasse«, verbunden mit dem Titel »Dautai«. In dem Dienste der Ostasienmission reiste er 1908 zu dem zweiten Mal nach Qingdao. Wegen einer schweren Krankheit kehrte W. 1911 zu einem Krankheitsaufenthalt nach Deutschland zurück, reiste jedoch in dem folgenden Jahre wieder zu seiner alten Wirkungsstätte zurück. Als der Erste Weltkrieg tobte, konnte er seine Arbeit in der Schule und als Pfarrer der deutschen Gemeinde in Qingdao ca. unter großen Schwierigkeiten weiterführen.
W. beendete in dem Sommer 1920 nach zwanzigjähriger Tätigkeit seine Missionarslaufbahn in China und kehrte nach Deutschland zurück. Von 1922 bis 1924 arbeitete Wilhelm dann als wissenschaftlicher Berater in der deutschen Gesandtschaft in Peking und lehrte an der Peking-Universität . In dem selben Jahr wurde W. als Honorarprofessor auf den neugegründeten Stiftungslehrstuhl für Chinesische Geschichte und Philosophie in Frankfurt am Main berufen und 1927 zu dem ordentlichen Prof. ernannt. Von 1910 bis an sein Lebensende arbeitete W. an der deutschen Übersetzung und Herausgabe des achtbändigen Quellenwerkes »Religion und Philosophie Chinas«. W. wurde nach seiner Rückkehr nach Deutschland zum »geistigen Mittler zwischen China und Europa«. Er stand in freundschaftlicher Verbindung mit vielen großen Gelehrten und Philosophen seiner Zeit. Zu seinen Freunden zählten u.a. Albert Schweitzer, Hermann Hesse, Martin Buber, Graf Keyserling und der indische Philosoph Tagore, um ca. die wichtigsten zu bezeichnen. Das Studium der chinesischen Kultur prägte W. so tief, dass er sich ausschließlich der Sinologie zu widmen begann. Richard Wilhelm wandte sich gegen eine eurozentrische Sichtweise der chinesischen Kultur. Er war von Bewunderung für die Chinesen und die chinesische Kultur erfüllt und setzte sich für einen Austausch der Kulturen ein. Daher zog er sich auch stets mehr aus der Missionstätigkeit zurück und konzentrierte sich auf die Sinologie. Die Missionstätigkeit sah er zunehmend kritisch: "Es ist mir ein Trost, daß ich als Missionar keinen Chinesen bekehrt habe".
W. wollte die alten wertvollen Kräfte Chinas wieder zur Herrschaft bringen. Alles westlich-europäische Denken und vor allem die europäisch-amerikanischen kirchlichen Formen waren ihm suspekt. In dem gleichen Maße wie die jungen Chinesen sich von ihrer eigenen Tradition lösten, suchte Wilhelm diese Tradition, denn Glaube und Kultur erlangten bei ihm eine weltumspannende Bedeutung. Und die chinesische Geistigkeit habe dazu einen wesentlichen Beitrag zu leisten. Die Kulturnationen haben ihre Kultur nicht aus Überlegung oder Willen, sondern es liegt in ihrer Natur, und es wird sichtbar in einzelnen, die das, was die Masse des Volkes ohne es zu wissen besitzt, zuerst erkennen. W. starb am 1. März an einer schweren Tropenkrankheit in Tübingen und wurde am 3. März auf dem kleinen Friedhof in Bad Boll in aller Stille beigesetzt.
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Neben den bekannten Übersetzungen der Texte des klassischen chinesischen Altertums, die stets wieder neu aufgelegt werden, steht aber noch eine Vielzahl von Arbeiten, in denen er sich aufmerksam und kritisch mit der chinesischen Gegenwart beschäftigt. So veröffentlichte er Tagebuchaufzeichnungen über die zeitgenössischen Ereignisse und sein Leben und Arbeiten in Qingdao, aber auch ein Werk über chinesische Wirtschaftspsychologie , das eine durchaus praktische Absichtsetzung hatte.
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